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Johann Wilhelm Ludwig Gleim

© Otto Werner Förster

Gleims literarisches Werk ist heute mit einigem Recht so gut wie vergessen; seinen Platz in der Literaturgeschichte verdankt er vielmehr seinem umfangreichen Briefwechsel mit allen Größen seiner Zeit, seiner Bibliomanie und Sammelleidenschaft und seinem Engagement für zahllose jüngere und ältere Talente.

 

Johann Wilhelm Ludwig Gleim wurde am 2. April  1719 in Ermsleben im Fürstentum Halberstadt geboren. In eine europäische Bewegung hinein, die in England »enlightenment« hieß, in Frankreich »siècle des lumières«, in Rußland »prosweschtschenije«, also Erhellung, Erleuchtung nach den dunklen Jahrhunderten, und die Immanuel Kant später »Aufklärung« nannte, jene Befreiung aus der »selbstverschuldeten Unmündigkeit«. Mancher meint, das dauert noch heute an.

Goethe nannte ihn in »Dichtung und Wahrheit« eine »Glucke für neue Talente«: 

»... Aber eben ein solches Fördernis junger Leute im literarischen Tun und Treiben, eine Lust, hoffnungsvolle, vom Glück nicht begünstigte Menschen, vorwärtszubringen und ihnen den Weg zu erleichtern, hat einen deutschen Mann verherrlicht, der, in Absicht auf Würde, die er sich selbst gab, wohl als der zweite, in Absicht aber auf lebendige Wirkung als der erste genannt werden darf. Niemandem wird entgehen, daß hier Gleim genannt sei ...

Er fühlte einen lebhaften produktiven Trieb in sich, der jedoch bei aller Stärke ihm nicht ganz genügte, deswegen er sich einem anderen, vielleicht mächtigeren hingab, dem nämlich, andere etwas hervorbringen zu machen. Beide Tätigkeiten flochten sich während seines ganzen langen Lebens unablässig durcheinander. Er hätte ebensowohl des Atemholens entbehrt als des Dichtens und Schenkens. Er gewann sich so viele Freunde, Schuldner und Abhängige, daß man ihm seine breite Poesie gern gelten ließ, weil man ihm für die reichlichen Wohltaten nichts zu erwidern vermochte als Duldung seiner Gedichte. So entstanden jene Briefwechsel, über deren Gehaltsmangel die neuere Welt sich verwundert ..., wie vorzügliche Menschen sich an einer solchen Wechselnichtigkeit ergötzen konnten ...«

Gleim, siebtes von zwölf Kindern einer unbegüterten Familie, kam nach frühem Privat- und Stadtschulunterricht in Oberbörnecke und Wernigerode mit 19 Jahren an die Universität Halle zum Jurastudium. Halle war mit Christian Thomasius und Christian Wolff, mit zahlreichen progressiven Pietisten und Philanthropen, eines der Zentren der deutschen Aufklärungsphilosophie und des Schulwesens. Hier entschied er sich zwischen den beiden großen deutschsprachigen Aufklärungsrichtungen Gottsched, in Leipzig, und Bodmer in Zürich für letzteren.

Gleim reimte also, den Gegner Gottsched zu schmähen:

»Wie dieser Sachse Cato spricht,
So sprach der Römer Cato nicht;
Hört’ er die Reden des Poeten,
Er würde noch einmal sich tödten«

Allerdings war Gottsched kein Sachse, sondern Königsberger, und begegnet war Gleim ihm auch noch nie ...

Man stritt im 18. Jahrhundert, bis hin zu Lessings »Literaturbriefen« und den »Xenien» der Klassik, ungerecht, anmaßend und also vielfach sehr einseitig. Das aber auf hoher intellektueller Ebene, brillant und mit Witz und solider Bildung. Einen solchen Höhepunkt der Kopfarbeit gab es mit Heine und Börne noch einmal in der deutschen Geistesgeschichte. Dann versandeten solcherart Höhenflüge mehr und mehr in Literaturmarkt, Chauvinismus und mangelnden gesellschaftlichen Perspektiven. Streit war der Motor der geistigen Auseinandersetzungen des 18. Jahrhunderts. -

Im brandenburg-preußischen Halle wurde Gleim für sein Leben geprägt: In der Art zu dichten, in der Religiosität, im Glauben an die Reformierbarkeit des feudalen Systems. Während seine Freunde, etwa Klopstock und Lessing, sich konsequent zu »Weltbürgern« entwickelten, verharrte Gleim lebenslang in einem kaum nachvollziehbaren preußischen Patriotismus. Das mag zu tun haben mit seiner treuherzigen, aber eher schlichten Denkweise.

1740 wurde Kronprinz Friedrich als Friedrich II. König von Preußen – und anektierte noch im gleichen Jahr in einem Angriffskrieg Schlesien. Der 1. seiner drei Schlesischen Kriege.

Gleim ging von der Universität und zunächst als Sekretär des designierten dänischen Finanzministers Reinhart Richtung Norden. Dann reiste Gleim zurück nach Berlin und wurde in Potsdam Hauslehrer. Die Kontakte dort entschieden seinen weiteren Lebensweg: Er machte die Bekanntschaft des preußischen Offiziers und Dichters Ewald Christian von Kleist und des Prinzen Wilhelm, Sohn des Markgrafen Albrecht zu Brandenburg-Schwedt. Gleim wurde sein Privatsekretär und hatte Zeit zum Dichten.

An der Universität gehörte Reimeschmiden zum guten Ton; jetzt entdeckte er die reimlosen Versformen antiker Dichter für sich, Anákreon etwa. Erst sein 10 Jahre jüngerer Freund Klopstock aber brachte die deutsche Versprache mit den sogenannten freien Rhythmen auf eine bis dahin nicht gekannte Höhe. Eine Sammlung seiner Gedichte ließ Gleim 1744 als »Versuch mit den scherzhaften Liedern« drucken.

Uns mag es heute befremden, daß solche tändelnden, unverbindlichen und ein wenig einfältigen Texte den Grundstein für Gleims Zeit-Ruhm legten.

Gleims Muse wurde 1744 zunächst gebremst. Der große Friedrich zog in seinen

2. Schlesischen Krieg. Der Anlaß noch immer: Europäische Machtspiele zwischen Österreich, Frankreich, England und Rußland, mit taktisch wechselnden Allianzen. Friedrich II. belagerte Prag. Mit dabei Ewald von Kleist, Prinz Wilhelm und sein Sekretär Gleim. Der Prinz starb beim feindlichen Artilleriebeschuß.

Friedrich schlug seine Schlachten glänzend. Schlesien blieb ihm erhalten, Preußen zugesprochen im Frieden von Dresden 1745. Und Gleim hatte wieder seinen Herrn verloren. Er wurde von höchster Stelle dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau vermittelt, dem »Alten Dessauer«, als Stabssekretär. Das oftmals wenig kulturvolle, willkürliche und grausame Regiment des Fürsten verschreckte Gleim zutiefst. Nach einem halben Jahr legte er sein Amt nieder und ging nach Magdeburg, dann nach Berlin. Im Hause eines Verwandten traf er auf einen Domherrn zu Halberstadt, den Tribunalsrat von Berg.

Die Ämter eines Domherren oder Kanonikus eines Stiftes waren im protestantischen Preußen und in Sachsen keine kirchlichen Stellen, sondern Versorgungseinrichtungen, vor allem für den Adel. Aus den Vermögen der Domkapitel bzw. der Stifte wurden Renten gezahlt an die Inhaber der Ämter. Man konnte sie auch kaufen. Von Berg schlug Gleim als Domsekretär in Halberstadt vor. Anfang November 1747 trat er sein Amt an, zunächst mit 200 Talern Jahresgehalt und einem Mietzuschuß von 20. Das war auskömmlich, aber nicht üppig. Mit den Jahren stieg das Gehalt, Gleim kaufte sich Pfründen dazu, hatte Einnahmen aus Publikationen. Schließlich war er wohlhabend. Seine finanziellen Verhältnisse sind bis heute nicht erforscht. An Ewald Christian von Kleist schreibt er im Oktober euphorisch, seine »scherzhaften Lieder« hätten ihm die Stelle verschaft:

»Mein theuerster Freund, Ich bin Domsekretär in Halberstadt geworden. Ich soll noch in diesem Monat dahin abgehen. Ich würde über dies mittelmäßige Glück unmäßig vergnügt sein, wenn mich nicht die Entfernung von meinem teuresten Kleist ins Gemüt käme und alle Zufriedenheit über die endliche Erreichung eines so lange vergeblich erstrebten Endzwecks vernichtete. Ist es nicht wunderlich in der Welt? Da kommt das Schicksal, nimmt mich beim Schop und führt mich nach Halberstadt. Vor allem aber muß ich Ihnen den gelinden Umstand melden, daß meine Lieder mir ein paar Stimmen verschafft haben; die Domherren versprechen sich einen gelinden Moralisten von mir, aber ich werde ihnen ein harter Cato sein. Wenigstens will ich nichts als Wasser trinken, damit sie mich nicht tot saufen ...«  

Gleims Arbeitsfeld ist überschaubar; er lebt der Muse: »O du, durch die es mir gelungen, Daß ich die Sorgen weggesungen ...«. Er läßt erneut zwei Liedersammlungen drucken, anonym, er gibt eine Gedichtsammlung seines Freundes Johann Peter Uz heraus. Und er beginnt seinen umfassenden Briefwechsel mit jedem, der in sein Blickfeld gerät. Entgangen ist ihm kaum ein Namhafter, so daß im Archiv des Gleimhauses heute eine einzigartige Sammlung des 18. Jahrhunderts vorliegt. Gleim hat durchaus bewußt die Briefe gesammelt wie auch Gedichthandschriften, Porträts und Bücher, um sie der Nachwelt zu erhalten, und seiner in der Familienstiftung geplanten »Schule der Humanität« als Anschauungsmaterial.

Gleims Briefmanie ist mehr als eine Manie der Zeit. Briefe waren das wichtigste Kommunikationsmittel, und das steigerte sich zur Literaturform. Man übte sich im »natürlichen« Briefeschreiben gegen die seelenlosen Verkrustungen des Barock - was übrigens zunächst ein Schimpfwort war, eine abwertende Bezeichnung. 1746 gibt Gleim eine Musterbriefsammlung heraus, »Sechszig freundschaftliche Briefe von dem Verfaßer des Versuchs in scherzhaften Liedern«. Auch der Leipziger Poet und Professor Gellert gibt eine Brieflehre heraus, 1751, in der er Orientierung an der mündlichen Rede fordert. Die Übersteigerung war das Briefeschreiben zum Selbstzweck. Siehe Goethes Urteil über die »wechselseitigen Nichtigkeiten« ...

Gleim baute sein Haus hinter dem Dom um und aus. Ein »Zimmer der Freundschaft» entstand, das heilige Zentrum des »Musentempels«. Hier empfing er seine zahllosen Gäste, feierte und diskutierte und hängte dicht an dicht die erbetenen Porträts. 120 waren es schließlich, darunter solche von den bekanntesten Malern: Graff, Tischbein, Schnorr. Letzterer hatte Johann Gottfried Seume gemalt. Der war einer der ertragreichsten Briefpartner Gleims:

»Als ich noch ein sehr junger Mann war, überredeten mich einige Freunde, Gleim einige meiner damaligen Arbeiten zur Beurtheilung zu schicken. Der Spruch war nicht so günstig, als wohl vielleicht ein junger Mensch von etwas mehr Phantasie gewünscht hätte ... Nach vielen Jahren schrieb er an den Verleger und erkundigte sich mit vieler Teilnahme und dem Ausdruck der reinsten Humanität nach den übrigen Verhältnissen des Verfassers ... und es entstand bald ein häufiger, mir in mehreren Rücksichten wichtiger Briefwechsel. Nach langer Zeit schickte er mir ein Papier von zwanzig Louisd'or, mit der Bedeutung: er habe gehört, ich leide Mangel, das müsse keiner seiner Freunde, so lange er selbst noch eine Mahlzeit bezahlen könne ... Ich schrieb, daß man ihn wahrscheinlich aus Theilnahme für mich getäuscht habe, sagte ihm, daß ich dreihundert Taler Gehalt hätte. - Da wären wir nun beide recht stattliche Narren, antwortete er, wenn wir das Geld dem Kaufmanne ließen ... Da Sie aber ein so stolzer Mensch sind und von mir kein Geschenk annehmen wollen, so sollen Sie mir eins schicken; ich bitte mir Ihr Bild aus. Ich hob das Geld und verzehrte es mit meinem übrigen, ließ mich malen und schickte das Konterfei nach Halberstadt ... Da er von meinem Gange nach Italien hörte und von der beständigen Ebbe meiner Finanzen unterrichtet war, schickte er mir eine beträchtliche Summe, zweihundert Taler in Golde, mit dem Gebot, durchaus gegen Niemand Notiz davon zu nehmen. Der letzte Brief von seiner Hand war mir eine der wehmütigsten Erscheinungen; die Buchstaben lagen groß, unordentlich und dunkel durch einander und das Ganze war wie mit einem doppelten Flor überzogen ...«

Gleims Haus wurde zur festen Adresse in der deutschen Geisteswelt. Lessing, Klopstock, Herder, Schiller, Goethe, Jean Paul, Heinrich von Kleist; alle besuchten ihn, manche blieben über Wochen. Gleim förderte vor allem die jüngeren, die er für Talente hielt, mit Geld und mit Beziehungen. Oftmals fiel er in seiner Treuherzigkeit herein auf Betrüger. Sein Freundschaftsverständnis, das auf ständiger Bestätigung, Erneuerung und gegenseitiger Versicherung basierte, nahm gelegentlich auch manische Züge an. Mancher war davon zeitweise unangenehm berührt, Klopstock zum Beispiel.

Der an die Zeit gebundene Freundschaftskult hatte Folgen, mindestens bis zu Schiller.

Befördert worden mag das sein bei Gleim durch bittere Erfahrungen im Lebensgang ... Er nahm die Tochter seines Bruders als Haushälterin zu sich und lenkte sich ab mit Geschäften und Gedichten.

1756 brach der 3. Schlesische Krieg aus, der Siebenjährige. Frankreich und Österreich hatten ein Neutralitäts- und Verteidigungsbündnis geschlossen. Friedrich der Große überfiel vorsorglich das reiche, aber widerborstige Sachsen. Ohne Kriegserklärung. Ein Präventivkrieg, der sich zu einem Siebenjährigen auswuchs. Gleim war begeistert von seinem großen König, der sich scheinbar anschickte, die Deutschen zu retten und Europa. Er machte sich daran, die »Lieder des preußischen Grenadiers« zu dichten: »Krieg ist mein Lied! Weil alle Welt/Krieg will, so sei Krieg!/Berlin sei Sparta! Preußens Held/Gekrönt mit Ruhm und Sieg! ...«

Er hatte ein Bild von Friedrich II., das zwar dessen verlautbartem und gedrucktem aufklärerischen Anspruch entsprach, keineswegs aber der Realität.

Gleims preußische Kriegslieder, von Lessing mit einem, wenn auch kritischen, Vorwort versehen, wurden zum Publikumsrenner. Man ahmte sie nach und feierte Gleim. Die Form war neu, die Tendenz ein einziges Mißverständnis. Für die preußischen Untertanen mochte es scheinen, als ob sich Preußen gegen das übrige Europa wehren mußte und also einen gerechten Krieg führte. Friedrich aber ging es um einen Platz unter den Großmächten der Zeit. Dafür starben Zehntausende, die ökonomischen Ressourcen Mitteleuropas wurden auf Jahrzehnte zurückgebombt. Sachsen, immer auf der falschen Seite und bevorzugtes Haßobjekt der preußischen Könige, wurde bis 1815 zu sechzig Prozent vereinnahmt – das heutige Sachsen-Anhalt, seit 1814 Preußische Provinz Sachsen – ist zum größeren Teil ehemals sächsisches Gebiet. Die annektierten Gebiete vernachlässigte man bewußt. Für die nächsten hundert Jahre.

Gleim wird 1756 Kanonikus des Stiftes Walbeck, kauft sich einen Garten mit dem berühmten »Hüttchen«, besucht Ostern 1757 Kleist in Leipzig in der »Großen Feuerkugel« am Neumarkt. Auf dem Areal steht heute ein großer Kaufhof. Dort wohnte auch Lessing. Die Freunde planen, feiern, diskutieren. 1759 wird Ewald von Kleist in der Schlacht bei Kunersdorf schwer verwundet und stirbt. Gleim und halb Deutschland trauern.

Zwei Jahre später macht Gleim in Berlin die Bekanntschaft der Naturlyrikerin Anna Louise Karsch, der »Karschin«. Er lädt sie ein nach Halberstadt, macht sie mit den Grundbegriffen der Dichtung bekannt, fördert und unterhält sie, wie er es sonst nur mit seinen jungen Dichtern tat. Karl August Böttiger, das Weimarer Langohr, hat Wielands Erzählung über Gleim und die Karschin festgehalten:

»Im Jahre 1775 war Wieland bei Gleimen zum Besuch. Anfänglich ging es vortrefflich. Doch konnte Wieland schon dem lärmenden gewaltigen Ton Gleims und seiner Vergötterung des großen Friedrichs – den Wieland stets für einen großen Unmenschen hielt – keinen rechten Geschmack abgewinnen. Aber in einer heiligen Stunde der Weihe las ihm Gleim die schwärmerischen Herzensergießungen der Karschin – die es eigentlich darauf anlegte, Gleims Frau zu werden, Gleims des ewigen Junggesellen und Wassertrinkers – mit großer Emphase vor. Wieland, der diese Liebelei nicht recht goutierte, erlaubte sich einige persiflierende Bemerkungen dazwischen zu werfen. Darüber ergrimmte Gleim aufs äußerste und warf seinem Gast einige so derbe Brocken an den Kopf, daß Wieland – der nach seinem eignen Geständnis da dreimal gröber wird, wo er nur einfache Grobheit bemerkt – Gleim wieder die härtesten Dinge sagte ...

Wieland nennt noch in diesem Augenblick Gleim einen groben Knollen, dessen Willen nie gebrochen worden sei ...«

Mit den 70er Jahren des Jahrhunderts war Gleims Stern schon erloschen. Die Dichter des sogenannten »Sturm und Drang«, die lauten jungen, kompromißlosen Weltverbesserer kamen mit neuer Sprache, neuen Formen und den alten aufklärerischen Ansprüchen in die literarische Welt. Gleim zog sich zurück. Die Achtung blieb ihm. Als Förderer und Mäzen, als »Vater Gleim«, wie seine Nichten und Neffen, er sich selbst und schließlich alle ihn nannten. Er beschäftigte sich mit Minnesang und Volkslied, mit germanischer und islamischer Dichtung. Er war inzwischen Mitglied aller wesentlichen wissenschaftlichen und literarischen Gesellschaften. Eine Audienz bei Friedrich II. im Winter 1785 war offensichtlich ernüchternd; mitgeteilt darüber hat er seinen Freunden nichts. Im Nachlaß gibt es einen kurzen, versifizierten Dialog. Belanglos. Friedrich der Große stirbt am 17. August 1786. Gleim erhält seinen Hut und seine Schärpe.

Die Französische Revolution 1789 ist Gleim ein gotteslästerliches Greuel. Sein Freund Klopstock aber wird Ehrenbürger der Französischen Republik. 1801 erblindet Gleim allmählich am grauen Star. An den jungen Brieffreund Seume schreibt er noch:

»Ihr alter Freund, lieber Seume, befindet sich nicht wohl, und weil er bald sich besser befinden könnte, so sendet er Ihnen hiebey den zu vorhabender Reise verlangten Vorschuß. Sie sollen aber an die Zurückgabe nicht denken, bis Sie so reich wie ihr reichster Bankier geworden sind ...
Ihr Vater Gleim«

Gleims letzte Briefe gehen an Leopold Stolberg, Herder und Klopstock. Als Begräbnisstätte hatte er seinen Garten vor dem dem Gröpertore festgelegt. Darum sollten die Marmorurnen seiner vorangegangenen Freunde gruppiert werden.

Gleim starb am 18. Februar 1803, abends 6 Uhr.

 

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