Festungsfest mit Seume

Am 10. und 11. Mai 2014 steigt das 475 –jährige Jubiläum der Wasserfestung Ziegenhain. Und Johann Gottfried Seume wird dabei sein – dargestellt von einem der vielen Freiwilligen, die der Arbeitskreis Festung Ziegenhain e.V. mobilisiert hat. In einem „stehenden Festzug“ wird auch Dargestellt soll auch die „Anwerbung hessischer Soldaten für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“ werden, deren einer im Sommer 1781 auch Seume war.

Heimlich war der Student Seume am 28. Juni 1881 in Leipzig aufgebrochen, um in Frankreich Offizier zu werden. Drei Tage später ließ er sich in Vacha als Rekrut des Landgrafen von Hessen-Kassel anwerben. Überredung oder gar Gewalt scheint dabei nicht im Spiel gewesen zu sein. Als „Priese des Schicksals“ hat er sich später in seiner Autobiografie „Mein Leben“ selber bezeichnet, „und mußte nun werden, wozu ich an der Hand desselben mich selbst machte.“

In der Festung Ziegenhain bildete man Johann Gottfried Seume und seine Kameraden aus, um später im Auftrag des Königs von England die aufständischen Amerikaner zu bekämpfen. Ein Jahr später machten sich Truppen auf den Wasserweg, erst auf der Weser dann über den Atlantik: nach Halifax in Kanada.

In „Ziegenhayn“ sei er, schrieb Seume später in seiner Autobiografie „Mein Leben“, „mit vieler Freundlichkeit“ behandelt worden  – und behauptet gleichwohl, an einem „großen Komplott zu unserer aller Befreiung“ beteilgt gewesen zu sein. Ja, man habe ihm sogar dessen „Leitung und Kommando mit uneingeschränkter Vollmacht“ übertragen. Ein alter Feldwebel habe ihm das Abenteuer ausgeredet, das denn auch übel ausgegangen sein – wenn auch nicht für Seume selber.


Damals war Ziegenhain eine selbständige Residenzstadt, heute ist sie ein Stadtteil von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Die Wasserfestung entstand in den Jahren 1537 bis 1546 auf Befehl des Landgrafen Philipp des Großmütigen. „Wir feiern das Jubiläum im Jahr 2014,“ heißt es im Internet-Auftritt der Veranstalter, dem Arbeitskreis Festung e.V. (http://www.festung-ziegenhain.de/): „ weil 475 Jahre zuvor, im Jahr 1539, in Ziegenhain gleich mehrere historisch bedeutsame Ereignisse stattfanden, die einen gemeinsamen Jubiläumstermin begründen: Der Ziegenhainer Schützenverein, Nachfolger der Garde feiert seine Gründung vor 475 Jahren. Die evangelische Kirche begeht den 475. Jahrestag der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung, die zur Entstehung der weltweit gefeierten Konfirmation führte.“

Der Auftakt des Events ist bereits ausverkauft: die festliche „Tafeley“. Den Mittelpunkt des Festgeschehens auf dem Festungsgelände bietet freilich der „stehende Festzug“. Laut Pressemitteilung der Veranstalter haben alle Besucher in stilgerechter historischer Kleidung freien Eintritt. Für alle anderen Besucher wird ein sogenannter „Wegzoll“ von sechs Euro erhoben. Auch Kinder bis 12 Jahren dürfen kostenlos zuschauen.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: Etwa 300 Darsteller aus ganz Europa in historischen Kostümen werden erwartet um  Bilder längst vergangener Tage zu präsentieren. Der Paradeplatz und seine angrenzenden Straßen lassen durch historische Uniformen, Kostüme, Stände und Dekorationen den Gang durch die Geschichte der Wasserfestung lebendig werden. Von der Übergabe der Grafschaft Ziegenhain 1450 bis hin zur Kriegspferdemusterung 1918 auf dem Paradeplatz, werden etwa 25 historische Ereignisse nachgestellt und nachgespielt. Die Darsteller sind in erster Linie Schwalmstädter Vereine, die durch Hobbydarsteller, Gaukler, und Zeitreisende verstärkt werden. Seifenmacher, Kerzenmacher, Steinschmuck und Duftmischer schmücken den Platz aus. Stellmacher, Steinmetze, Weber, Korbflechter, Zimmerer und Bauleute vertreten das Handwerk.

Kleine Spielszenen beleben die Veranstaltung wie: Die Übergabe der Festung 1450, das Auftreten Heinz von Lüders, den Dichter Literaten Johann Gottfried Seume, die Anwerbung hessischer Soldaten, um nur einige zu nennen. Die Evangelische Kirche und der Schützenverein Ziegenhain stellen sich mit ihren Jubiläen - 475 Jahre Kirchenzuchtordnung/ Konfirmation und 475 Jahre Entstehung der Bürgergarde - ebenso dar. Neben vielen anderen Unterhaltungspunkten wird das Grimmsche Märchen „Daumesdick“ in der Alten Reithalle für die kleinen Besucher erfreuen. Für das leibliche Wohl ist überwiegend durch die lokale Gastronomie gesorgt.

Eintritt 6,- € / Kinder bis 12 Jahre frei. Qullel: http://www.festung-ziegenhain.de/

Zurück