Ein Freund erzählt

Mit einem bizarren Lebenslauf und seinem anspruchsvollen Lebenswerk bietet der zornige Aufklärer Johann Gottfried Seume (1763 - 1810) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bis heute viel Stoff zum Recherchieren und Reflektieren. Die Ergebnisse schlagen sich meistens in Arbeiten für einen begrenzten Kreis nieder. Der Leipziger Otto Werner Förster bringt für breiteres Publikum auf den aktuellen Stand der Seumeforschung - mit einer freundschaftlichen Biographie.

Otto Werner Förster: "Johann Gottfried Seume - Sein Leben, erzählt von einem Freund". Verlag J.G. Seume, Saarbrücken 2018. 164 Seiten, s/w-Abbildungen, ISBN 978-3-981885-0-26 / ISBN 978-3-9818850-0-2, Preis: 19,90 €

Als Student an der Leipziger Universität ist Förster auf das Werk seines "Kommilitonen" aufmerksam geworden und hat ihn offenkundig als Vorbild entdeckt: "Seume schreibt, was er denkt, mit einem Bildungshintergrund und Horizont, der weit mehr ist als >Wissen<, nämlich Durchschauen der Verhältnisse, Weltsicht, Verantwortung". Sogar verantwortungsvoller als dieser ist er mit der Benennung der Quellen umgegangen, die seiner Darstellung von Seumes Leben und Wirken zugrunde liegen.

Leipzig spielte für Seume eine bedeutende Rolle. Hier hat er die längste Zeit gelebt, hier hat er studiert, Anregungen gefunden, Freunde gehabt und Besucher empfangen. Vor hier aus ist er zu seinen legendären Reisen aufgebrochen. Und hier ist sein Biograph zuhause. Als Fremdenführer weiß Förster zudem, was die "Seumianer" interessiert und wie er ihre Neugier befriedigen kann. Anlässe für Zwischenstopps bei Führungen durch die Innenstadt gibt es genug, denn Seume ist oft umgezogen.

Viele Spuren hat er für seine Biographen sogar über Leipzig und Sachsen hinaus gelegt. Förster folgt ihnen bis nach Amerika, durch Italien und rund um die Ostsee - und in die gesellschaftlichen Verhältnisse der Umbruchzeit nach der französischen Revolution. Für das Leben einfacher Soldaten, Bauern und Bürger, haben sich damals nur wenige Reisenden interessiert. Eher für Generäle, Fürsten und Dichter.

Auf seinem verschlungen Lebensweg ist auch Seume "Celebrities" begegnet, mit einigen war er befreundet, mit anderen eher weniger. Sein Biograph stellt uns einige davon vor. Erwähnt seien der General Otto Heinrich Graf von Igelström, die Zarenwitwe (und Zarenmutter) Maria Fjodorowna, der Dichter Friedrich Maximilian Klinger (der mit seinem Schauspiel "Sturm und Drang" Literaturgeschichte schrieb) und der Verleger Georg Joachim Göschen, der zu seinen Förderern und Freunden zählte.

Wertgeschätzt haben "ihren" Seume viele Zeitgenossen, bekannte und unbekannte. Ablehnung hat er freilich auch erfahren müssen. Förster weckt die Neugier auf Seume und sein Umfeld - mit dem kritischen Blick seines Vorbilds: "Noch immer gibt es die ewigen Mitmacher, Bücklinge, Schleimer, den Klüngel."

K. W. Biehusen 03.04.2018

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