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Mit Seume sehen

"Seume" auf dem Monte Pellegrino (Foto N. Nepaschink)

Wenn Johann Gottfried Seume auf seinen Reisen fotografiert oder gefilmt hätte: Welche Eindrücke hätte er uns hinterlassen? Und was halten „Spurensucher“ heute mit ihren Kameras fest? Zwei Ansätze drängen sich Touristen und Berufsfotografen auf. Sie können Motive aufspüren, die schon Seume gesehen haben könnte. Oder sie versuchen Gegenwärtiges mit seumischen Augen zu sehen.

Vor allem aus Italien haben zu Seumes Zeit viele Reisende Zeichnungen und Aquarelle mitgebracht. Nicht zuletzt J.W. Goethe. Seume hat mit Worten gemalt und skizziert: der „Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“ beeindruckt noch immer. 

Die Fotos zum Text hat der inzwischen leider verstorbene Fotograf Fridhelm Volk in den 1990er Jahre nachgeliefert. Gewissermaßen als Reisender in die Vergangenheit fand er tatsächlich Motive, wie sie sich auch J. G. Seume geboten haben könnten. Es gelang ihm so „einer Region, die uns heute bestens vertraut ist, ihr Geheimnis zurückzugeben.“ (FAZ vom 27.06.2002). Volk fand für seinen Bildband "Fotoreise - Auf den Spuren von J. G. Seume" sogar einen Verleger. (Edition Braus im Wachter Verlag, Heidelberg 2001, ISBN 9783926318145).

Jetzt ist der Fotograf Erwin Geiss auf Seumes Spuren den gleichen Weg gegangen – aber mit einem ganz anderen Ansatz. Er zeigt, was der Vorwanderer heute sehen (und fotografieren) würde. „Nah an der italienischen Lebensrealität“, so schreibt er „seume.de“, habe er sich, vorzugsweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß („den Rucksack auf dem Rücken“) auf den Weg gemacht, um „Bilder im Kontext mit den Originalzitaten Seumes zu sehen“. Folglich fällt denn auch, beispielsweise, der erste Blick auf Italien trister aus als bei Seume: ein Bahnsteig am Bahnhof von Triest. Die Öffentlichkeit erreicht das Foto-Werk „Erwin Geiss: Spaziergang nach Syrakus“ (zweisprachig, italienisch und deutsch betextete) Werk gewissermaßen im Selbstverlag. Zeitgemäß zu beziehen ist es online über www.blurb.de.

Der zweitgenannte Ansatz lässt sich ausbauen. Für meinen Dokumentarfilm „Spaziergang nach Syrakus – Auf Seumes Spuren nach Sizilien“ (NDR 2001) habe ich mich einst als Seume verkleidet, um als Zeitreisender aus der Vergangenheit die Gegenwart zu erkunden - vor der Kamera von Roland Meyer, gelenkt vom Regisseur Norbert Nepaschink. Eine DVD mit dem Film kann ich liefern…

K.W. Biehusen 04.02.1015

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