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J. G. Seume im Göschenhaus. Foto: Fielmannstiftung

PR mit und für Seume

von Karl Wolfgang Biehusen

Ob Dr. Jürgen Ostwald eine Brille trägt, weiß ich nicht, denn ich sprach ihn nur am Telefon. Ebenso wenig weiß ich, wo und bei wem er das bislang unbekannte Portrait von Johann Gottfried Seume (1763 – 1810) fand, das jetzt in Grimma zu sehen ist. Er habe es, verrät der Kunsthistoriker immerhin, „in einem Privathaus in Schleswig Holstein“ entdeckt - und dass er das Ölgemälde für den Großoptiker „Fielmann AG“ erworben habe. Um es dem Seume-Verein „Arethusa“ zu schenken.

Am 01. Oktober 2014 hat es die Vorsitzende des Vereins, Annett Höhne, entgegegenommen. Seither hängt das Portrait  als dessen Dauerleihgabe in Grimma-Hohnstädt, im Seume-Zimmer des Museums „Göschenhaus“. In diesem Landhaus des Verlegers Georg Joachim Göschen hat der Dichter, Wanderer und Aufklärer Seume gewohnt, als er für Göschen als Korrektor arbeitete. Bevor er 1801 aufbrach, zu seinem berühmten „Spaziergang nach Syrakus“.

Der künstlerische Wert des Gemäldes aus der Hand eines unbekannten Malers ist begrenzt. Das wissen die Schenkenden und die Beschenkten. Dennoch dürfte dessen Restaurierung und Rahmung die Kosten wert gewesen sein, die der Stifter auf sich genommen hat. Obwohl es sich bei dem Portrait um eine im frühen 19. Jahrhundert gefertigte Kopie einer Kopie handeln dürfte. Denn es vermittelt einen farbigen Eindruck vom Original.

Das Original, gemalt von Seumes Freund Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld (1764 – 1841), ist verschollen. Geblieben, bis heute bekannt und selber oft kopiert ist ein Kupferstich, den der Leipziger Künstler Amadeus Wenzel Böhm (1769 – 1823) zur Illustration der dritten (1810 erschienenen) Auflage von Seumes „Gedichte(n)“ nach dem Werk von Schnorr gefertigt hat. Nach dem Original-Gemälde Schnorr von Carolsfelds.

„Mich däucht, das Bild ist gut gerathen“ habe Seume selber diesen Stich kurz vor seinem Tod kommentiert, schreibt Thorsten Bolte in seinem „Göschenhaus-Journal“ (Ausgabe 4/2014) und freut sich: „Jetzt können wir ein Original-Gemälde vorweisen!“

„Das ist selbstverständlich PR“ sagt Jürgen Ostwald ganz unverblümt. Er sorgte denn auch dafür, dass die lokalen Medien Zeugen der Übergabe des Bildes wurden. Werben durch Stiften gehört zum Konzept seines Arbeitgebers, zur Freude der Begünstigten. Ostwald arbeitet für eine Fielmann-Stiftung, die laut Internet unter anderem „seit Jahren Stadt- und Heimatmuseen, Kreis- und Stadtarchive, Geschichts- und Fördervereine regionaler Sammlungen sowie Kulturinstitutionen unterschiedlichster Art und vielfältigster Ausrichtung mit großzügigen Schenkungen, namentlich in Schleswig-Holstein“ unterstützt.

Dass sich Jürgen Ostwald nunmehr auch für ein sächsisches Museum einsetzt, ist kein Zufall. Ihn interessiere, erzählt er, unter anderem der Leipziger Maler Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld. Folgerichtig sei ihm auch dessen Freund Johann Gottfried Seume bekannt. Und die Geschichte von dessen verschollenem Portrait. Jetzt kennt er auch das Göschenhaus im fernen Sachsen. Er wird es, hofft man in Grimma, nicht so bald vergessen.

Quellen:
http://www.goeschenhaus.de/
http://www.fielmann.de/

Siehe auch auf Seume.de: Schnorr von Carolsfeld (Seumes Umfeld)

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