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Der waghalsige Reisende


Die seumische Buch-Sensation des Jahres 2012

 

Wer sich mit Johann Gottfried Seume beschäftigt, mit dem Menschen und mit dem Autoren, kommt um dieses Buch nicht herum:

Bruno Preisendörfer: Der waghalsige Reisende. Johann Gottfried Seume und das ungeschützte Leben, Verlag: Galiani Berlin 2012, ISBN 978-3-86971-060-0,


Preisendörfer analysiert und erklärt, was J.G. Seume durchs Leben trieb und warum er schrieb, was er schrieb. Wie kein anderer Biograph zuvor, beschreibt und würdigt Preisendörfer das Werk und den Lebenslauf Seumes im Kontext seiner Herkunft und der gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit.

Die schriftstellerische Leistung Preisendörfers wäre schon ob dieses Ansatzes bemerkenswert. Zur literarischen Sensation hat der Autor das Buch durch die sprachliche und formale Bewältigung seiner selbst gestellten Aufgabe gesteigert, Seume und sein Werk einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Auch orthodoxe Philologen dürften mit dem Ergebnis ufrieden sein.

Vorgestellt wurde das Buch zuerst in Grimma am 09.11.012 im „Göschenhaus“ Im Vorfeld zu dieser Veranstaltung hat Thorsten Bolte den Autoren Bruno Preisendofer interviewt und ihm für das „Göschenhaus-Journal 4/2012“ unter anderem folgende Aussage entlockt (siehe: http://www.goeschenhaus.de/):

Seumes Person und Seumes Werk wurden lange unter dem Etikett „Authentizität“ wahrgenommen. Das geht bis auf die Fortsetzung von Seumes Mein Leben durch Göschen und Clodius zuruck. Aber auch das Authentische ist gemacht, ist etwas Hergestelltes: beim Schreiben mit dem Stil, im Leben mit dem Gestus, und bei beidem mit Inszenierung und Selbstdarstellung. Seume hat sich mit grimmig zusammen gezogenen Brauen als authentisch zelebriert. Dass er posthum zur Zelebritat des Authentischen wurde ist also wenig überraschend. Jetzt schwingt das Pendel eben in die entgegen gesetzte Richtung: Interpretation als Entlarvung. Ich bin als Germanist für eine aufschliessende Hermeneutik, nicht für eine, die dem Text die Tür eintritt. Als Schriftsteller bin ich gegen den literarischen Geschäftsbetrug mit einer sogenannten „höheren Wahrheit“, in deren Dienst eine Art künstlerisches Lügen erlaubt sein soll. Auf Seume bezogen: Als Germanist beschütze ich ihn selbstironisch vor den Germanisten; als Schriftsteller wiederum werfe ich gern den ersten – Buchstaben, auch wenn ich selbst am Schreibtisch sitze.

K. W. Biehusen, 20. 11. 2012

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