22.6.2010
Noch ein neues Seume-Buch
Dirk Sangmeister: „Seume und einige seiner Zeitgenossen“
Rezension von Karl W. Biehusen


„Seume und einige seiner Zeigenossen“ hat Dirk Sangmeister ein Buch überschrieben, das die Leserinnen und Leser auf 576 Seiten in einer eigenartigen Weise gleichermaßen bereichern und verwirren wird. Es bereichert sie um eine unglaubliche Menge an Hintergrundinformationen zum Leben und zum Werk von Johann Gottfried Seume. Es verwirrt sie ob eines Mangels an nachvollziehbarer Struktur.
Wer künftig wissenschaftlich über den merk- und denkwürdigen Aufklärer Seume arbeitet, wird auf die Lektüre von Sangmeisters Fleißarbeit nicht auskommen. Der Autor nahezu jedes europäischen Archiv durchwühlt und ausgewertet, in dem Spuren von dem Wirken Seumes zu erwarten sind. Er hat darüber hinaus kaum ein relevantes Werk ungelesen und unausgewertet beiseite gelegt. Also: Hut ab.
Hut wieder auf. In einzelnen Kapiteln werden mehr Themen angesprochen und Informationen vermittelt, als ihre Überschrift vermuten lassen. Ob man wissenschaftlich interessiert ist oder einfach neugierig: Man muss das ganze Buch lesen, um in der Menge der Mitteilungen die Trouvaillen (oft in Fußnoten versteckt) zu finden, die man gebrauchen kann.
Die Fülle der Informationen entschädigt für die Mühe der Lektüre dieses umfangreichen Sammelbandes von Arbeiten, die dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit auch sprachlich gerecht werden. Mit anderen Worten: Auch hart gesottene LiteraturwissenschaftlerInnen müssen sich vermutlich mühen, wach zu bleiben.
Zur Reanimation nutzt die Zunft gerne neue, möglichst eigenwillige Thesen und Theorien. Damit geizt der fleißige Autor genauso, wie mit Hinweisen auf Gründe, Fragestellungen und Informationen, die ihn bei der Recherche geleitet haben. Manche Fußnoten und sicher die Danksagungen am Schluss des Buches wäre ansonsten womöglich ausführlicher ausgefallen.

Dirk Sangmeister: „Seume und einige seiner Zeitgenossen“. Ulenspiegel Verlag, Erfurt 2010. 576 Seiten, 42 Euro.


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