Am 15. Juli 1798 brachte Johann Gottfried Seume dieses Portrait auf den Postweg nach Halberstadt. „... Hier schicke ich Ihnen mein Bild mit mancherley Empfindungen. Die Hauptempfindung ist Dank und kindliche Verehrung ...“ heißt es im Begleitschreiben an Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Für 20 Louisd’or hatte Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld seinen Freund Seume in Öl gesetzt – und zum Glück gleich eine Replik angefertigt. Sie hängt im Schlossmuseum zu Lützen und bildete 1939 die Vorlage für einen kühnen Restaurator, der das stark zerstörte Original übermalte. Es hängt noch immer „Freundschaftstempel“ des Gleimhauses in Halberstadt.

29.4.2004
Seume finden
Vereine und Museen


Seume in Weißenfels

Der Aufklärer Seume wirkt in Weißenfels als Leitbild für Sozial- und Kulturarbeit. In jener Kreisstadt in Sachsen-Anhalt, die für den Jungen aus Poserna einst die weite Welt bedeutet hat. Seine Gipsfigur steht lebensklein im soziokulturellen Zentrum „Seume“ (Langendorfer Strasse 33, 0667 Weißenfels, Tel.: 03443/300135).

„200 Veranstaltungen und fünf Ausstellungen in einem Jahr“: Ilona Struve kann den Erfolg des Zentrums beziffern, das sie leitet. Auch als Vorsitzende des Trägers der Einrichtung, des Seumevereins Weißenfels e.V; wirbt und wirkt sie für Toleranz in der Gesellschaft.

„Kerzentauchen wie vor hundert Jahren“, „Die Grabkammer des ägyptischen Künstlers Sennedjem“, „Kreativprojekt an der Saale mit dem Seumefloß“: Derartige Angebote kommen an. Bei den Politikern in Stadt und Landkreis und bei der Zielgruppe. Dazu gehören auch Erwachsene, denn Frau Struve weiß: „Kinder- und Jugendarbeit geht nicht ohne die Eltern“.

Infos: www.seumeverein.de/

Seume in Halberstadt
In Halberstadt gehört das „Gleimhaus“ zu den wenigen historischen Gebäuden, das die „Sanierung“ dieser Stadt am Rande des Harzes überlebt hat. Hier wohnte der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803), der mit zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit brieflich und persönlich in Verbindung stand. Er sammelte ihre Portraits in seinem „Freundschaftstempel“. Seumes Portrait gehört zu letzten, die in ihm Aufnahme fanden. Seume hat Gleim 1798 besucht, anschließend den Harz durchwandert und daraufhin fast, aber dann doch nicht, einen Roman geschrieben. Wir verdanken der Freundschaft zwischen Seume und Gleim etliche interessante Briefe und womöglich den „Spaziergang nach Syrakus“. Diese Reise hat Gleim nämlich mit 200 Talern gesponsert. Seume widmete ihm in der „Zeitung für die elegante Welt“ (Jg. 1803, Nr. 30) den Nachruf „Einige Blumen auf Gleims Urne“ und besuchte sein Grab 1805 auf dem Rückweg von seiner Sommer-Reise.

Das Gleimhaus mit Bibliothek, Forschungsstätte, Museums-Shop und dem „Freundschaftstempel“ steht am Domplatz 31, 38820 Halberstadt. Tel.: 0 39 41 / 68 71-0, Fax: 0 39 41 / 68 71-40, Internet: www.gleimhaus.de. Geöffnet: Mo - Fr: 9 - 17 Uhr (Mai - Okt.), 9 - 16 Uhr, (Nov. - Apr.), Sa / So 10 - 16 Uhr, (ganzjährig).

Das Zitat zum Portrait stammt aus dem Bestandskatalog „Der Freundschaftstempel im Gleimhaus zu Halberstadt, Portraits des 18. Jahrhunderts“, herausgegeben vom Gleimhaus Halberstadt, Redaktion Ute Pott und Doris Schumacher, Leipzig 2000.


Seume in Grimma
Von Oktober 1797 bis zu seinem Aufbruch nach Syrakus am 6. Dezember 1801 arbeitete Johann Gottfried Seume als Korrektor und Lektor bei Georg Joachim Goeschen (1752-1828) in Grimma. In dem Druckerei-Gebäude am Marktplatz hat der Johann-Gottfried-Seume Verein "Arethusa" e.V. hier das Seumehaus eingerichtet, eine Begegnungsstätte "in lebendiger Tradition". Es bietet den Rahmen für kulturelle Veranstaltungen, etwa für Buchlesungen, Ausstellungen und Mitmach-Aktionen für Schulklassen. Und es bietet Neugierigen Einblicke in die Arbeit von Restauratoren: sie sind dabei, Wandmalereien aus dem Jahr 1632 freizulegen. Das Seumehaus ist Dienstags bis Freitags 13.00 - 17.00 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Die Adresse: Markt 11, 04668 Grimma, Telefon 03437/911118.
Seume hatte und hat noch eine zweite Adresse in Grimma, im Landhaus seines Arbeitgebers und Freundes Göschen, das heutige Museum "Göschen-Haus" in Grimma-Hohenstädt. Es ist Sitz des Johann-Gottfried-Seume Vereins "Arethusa" e.V; der sich mit kulturellen und sportiven Veranstaltungen um Seume verdient macht. Die Vorsitzende des Seume-Vereins ist Annett Höhne (E-Mail: SeumeArethusa@web.de) die Leiterin des Göschen-Museums. Es ist im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet, von einem hübschen Garten umgeben und bewahrt u.a. einige Seume-Devotionalien. Adresse: Göschen-Haus, Grimma-Hohenstädt, Schillerstraße 25, 04668 Grimma. Telefon und Fax 03437/91 11 18. Öffnungszeiten: Dienstags, Donnerstags, Sonnabends und Sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr, außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung Gruppen nur nach Voranmeldung.

Informationen über das Seume- und das Göschenhaus finden sich im Internet unter:
www.goeschenhaus.de

Seume in Leipzig
An wissenschaftlich Interessierte Seume-Fans wendet sich die "Johann-Gottfried-Seume-Gesellschaft in Leipzig e.V.". Ihr rühriger Vorsitzender Prof. Dr. Jörg Drews (E-Mail: joerg.drews@uni-bielefeld.de, Universität Bielefeld, Postfach 100 131, Bielefeld) organisiert in ganz Europa Tagungen und Kongresse. Den Leserinnen und Lesern der Mitglieder-Zeitschrift „Obolen“ entgeht keine Fußnote, die sich mit Seume in Verbindung bringen lässt.

Informationen über die Seume-Gesellschaftfinden sich im Internet unter: www.seume-gesellschaft.


Seume in Rückmarsdorf
Der Tipp stammt aus den „Obolen“ der Seume-Gesellschaft zu Leipzig: Eine „Seumestube“ gibt es im Heimatmuseum von Rückmarsdorf (seit 2000 ein Ortsteil von Leipzig). Der Ortschronisten Jochen Deweß (Weinberg 4, 04178 Leipzig, Tel.: 0341/9411730) hat sie anhand von Angaben des Malers Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld eingerichtet, der nach dem Tod seines Freundes Johann Gottfried Seume dessen Schwester unterstützte. Diese Schwester hat in Rückmarsdorf gelebt. In dem Museum wird ansonsten der Sport und der Sportvereine in Rückmarsdorf in Verbindung mit den Deutschen Turn- und Sportfesten in Leipzig gedacht, zweier historischer Schlachten (1745 und 1813) sowie der Vergangenheit des Hauses. Die Adresse verrät sie: Das Heimatmuseum, An der Teichmühle 2 in Rückmarsdorf.
Das Museum ist an jedem ersten Sonntag des Monats von 10.00 bis 12.00 Uhr geöffnet. Museumsleiter Dieter Schiwek führt darüber hinaus Gruppen nach Vereinbarung (Tel. 0341/9411746).

Seume in Lützen
Im Schlossmuseum von Lützen werden diverse Seume-Devotionalien aufbewahrt, etwa ein bemerkenswertes Portrait und etliche Original-Manuskripte. Es handelt sich um Reste der Sammlung des Seume-Forschers und –Biografen Oskar Planer . Adresse: Schlossstrasse 4 / 06686 Lützen (Tel 034444 / 20228, Fax 034444 / 90693). Öffnungszeiten: April bis 6. November: Dienstag bis Sonntag: 10-12 und 13-17 Uhr, 7. November – 30. November: Donnerstag bis Sonntag:10-12 und 13-16 Uhr, 1./2. Wochenende im Dezember und 3./4. Wochenende im Januar: jeweils 10-12 und 13-16 Uhr.Februar/März: Donnerstag bis Sonntag: 10-12 und 13-16 Uhr. Lützen liegt in Sachsen-Anhalt, nicht weit von Seumes Geburtsort Poserna und ist mit dem Museum und einer Gedenkstätte ein beliebter Wallfahrtsort der Freunde des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf, der hier 1632 seine letzte Schlacht schlug.

Seume in Dresden
Häufig ist Seume in Dresden gewesen, wo er u.a. im Haus des Historien- und Portraitmalers Gerhard von Kügelgen (1772-1820) verkehrt, der ab 1805 in Dresden lebte (ab 1814 als Professor im Fach Historienmaler an der Dresdner Kunstakademie) und 1806 Seume portraitierte (Siehe >Seumes "Sommer 1805"<). Das „Kügelgenhaus“ an der Hauptstraße 13 ist heute ein Museum.(Museum zur Dresdner Frühromantik, geöffnet Mittwoch bis Samstag von 10.00 bis 18.00 Uhr). An Seume erinnerte sich der Sohn des Malers, Wilhelm von Kügelgen (1802-1867), in seinen posthum veröffentlichten „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ (Berlin 1870). „Auf herzlichste Weise“ hätten seine Eltern in Dresden „mit den vorzüglichsten und interessantesten Leuten“ verkehrt, unter anderem mit dem „störrigen Wanderer Seume, der zwar in Leipzig wohnte, aber den Weg von da nach Dresden als Spaziergang ansah und schneller als die Post zu Fuß durchschritt“.


Mit Seume in Eutin
Auf seiner Sommer-Reise 1805 hat Seume auch in Eutin Halt gemacht. Wer an historischer Reiseliteratur interessiert ist, sollte ihm in diese hübsche Stadt in Schleswig-Holstein folgen. In der Landesbibliothek, gegenüber dem Schloss, befinden sich eine Forschungsstelle zur historischen Reisekultur und eine spannende Vielzahl von historischen Werken, nicht nur zum Thema Reisen.
Adresse: Eutiner Landesbibliothek, Schlossplatz 4, 23701 Eutin, Tel.: 04521/701260, Fax: 04251-701236 E-Mail: landesbibliothek@bibliothek.de , Internet: www.bibliothek-eutin.de
Öffnungszeiten: Dienstags 09.30-1800 Uhr, Mittwochs 09.30-13.00 Uhr. Donnerstags 09.30-19.00 Uhr, Freitags 09.30-18.00 Uhr, Sonnabends 09.30-13.00 Uhr.


Wo Seume wohnte
An keinem Ort hat J. G. Seume länger und öfter gelebt, als in Leipzig. Der Leipziger Autor und Verleger Dr. Otto Werner Förster (E-Mail: TaurusVerlag@web.de) hat seine Wohnungen gefunden:
• 1770: ”Zum weißen Roß”, Knautkleeberg (Seumestr. 52)
• 1777-79: Borna, Stadtschule, Martin-Luther-Platz 3
• 1779/80: Alte Nikolaischule, Dachstube
• 1780/81: Leipzig, ”bei einem Bäcker”
• 1787/90: Markt 6, Dachstube (Mansarde mit Spitztürmchen)
• 1791: Markt 10 (”im Thomasiuschen Hause am Markt”)
• 1795/97: Markt 6
• 1803/05: Barthels Hof / Hinterhaus
• 1805/09: Thomasschule
• 1809/10: ”Weißes Roß” (Brühl 42, zwischen Reichs- und Nikolaistr.)
O. W. Förster ist es auch zu verdanken, dass mit knapp 20 Jahren Verspätung die Autobiographie des Leipziger Malers Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld mit etlichen Anekdoten aus dem Leben seines Freundes Seume erscheinen konnte (Carolsfeld, Veit Hanns Schnorr von: Meine Lebensgeschichte, Hg. Otto Werner Förster, Leipzig 2000). Schreiben war offenkundig nicht des Autors Stärke – gerades deshalb wirkt sein Bericht authentisch.



Zurück