9.2.2010
»DIE TÜRME VON LEIPZIG ...«
SEUME UND SEINE STADT
Seume-Gesellschaft zum Jubiläums-Programm


ANLÄSSLICH DES 200. TODESTAGES von Johann Gottfried Seume (geb. 29. Jan. 1763, gest. 13. Juni 1810) wird die JOHANN-GOTTFRIED-SEUME-GESELLSCHAFT ZU LEIPZIG E.V. – in Abstimmung mit dem GÖSCHENHAUS bzw. dem SEUME-HAUS in Grimma und dem MUSEUM SCHLOSS LÜTZEN – durch verschieden akzentuierte Veranstaltungen an einen Schriftsteller erinnern, der sich im historischen Gedächtnis national und international als »Spaziergänger nach Syrakus« eingeprägt hat. Das Seume-Jubiläum im Jahr 2010 reiht sich ein in die besonderen Jubiläen der Stadt Leipzig bis zum Jahre 2015.

»Als ich in der Abenddämmerung die Türme von Leipzig wieder sahe, das ich nun für mein Tabernakel zu halten gewohnt bin, ward es mir doch unter der linken Seite etwas angenehm unruhig ...«,

schrieb Johann Gottfried Seume, als er zurückkam von seiner zweiten großen Reise, die er in seinem Reisebericht »Mein Sommer 1805« beschrieben hat. Mit Leipzig und in Leipzig, seinem »Tabernakel«, hat er in mindestens 14 verschiedenen Wohnungen beinahe 28 seiner nur 47 Lebensjahre verbracht – ein guter Grund unter vielen, seinen 200. Todestag in Leipzig angemessen zu begehen.

Nicht nur als Reisender europäischen Formates von Stockholm bis Syrakus und von Paris bis Warschau, auch weltweit von Halifax bis Sankt Petersburg, machte sich Seume als Autor von Werken mit höchster politischer Brisanz und als Lektor und Soldat einen Namen. Vor allem aber wegen seiner sozialkritischen Reiseberichte wird der »kleine« Seume (der, wie wir heute wissen, so »klein« nicht war – ca. 1,63 m) zu den Klassikern der deutschen Literatur gezählt, da er Themen berührte, die bis in die Gegenwart reichen:
Umwelt und Naturverbundenheit, Ernährung, Bewegung und Gesundheit, Wirtschaft und Verkehr, Unterdrückung und Freiheit, Privilegien und Gleichheit, Bildung, Männlichkeit und Weiblichkeit, und nicht zuletzt Geschichte, Kunstgeschichte und Philologie.

In den letzten 15 Jahren setzte eine Renaissance der Seume-Forschung ein, in deren Verlauf mehr Fragen aufgeworfen wurden, als wir bislang Antworten geben konnten. Die »Tatsachenberichte« des »ehrlichen« Wanderers Seume lesen wir inzwischen zu großen Teilen als literarische Fiktionen, das zweihundert Jahre geltende Bild des Spätaufklärers ist uneindeutiger und vielfältiger geworden. Für das öffentliche Bewußtsein über den verklärten Seume und nicht zuletzt aus wissenschaftlicher Sicht ist es Zeit für eine Neudefinition!

EIN ZENTRALES ANLIEGEN ist die Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen zum 18. Jahrhundert und dessen Wirkung bis ins 21. Jahrhundert: Sie handeln vom Leben und Streben in und über Leipzig hinaus, von der Universität, dem Buchhandel, den freundschaftlichen, literarischen und geselligen Verbindungen und ihren politischen und moralischen Haltungen.

AUF DIESE WEISE kann nicht nur ein Bewußtsein für die publizistischen Wurzeln der heutigen Medienlandschaft geweckt werden, sondern auch POLITISCHE AUFKLÄRUNG am Beispiel eines Mannes geleistet werden, der sogar unter napoleonischer Besatzung den Mut behielt, politisch zu sein. Ein Wert, der bis heute für viele Regionen der Welt von eminenter Bedeutung ist.

Zur STÄRKUNG DER KULTURELLEN IDENTITÄT SACHSENS und Mitteldeutschlands trug der Weltreisende Seume schon damals bei, und mit dem Blick auf die Vergangenheit gehört der »Landsmann« Seume auch heute noch anhaltend zur Kulturlandschaft. Der Nachruhm des bemerkenswerten Wanderers erinnert uns zugleich daran, wie weit man mit Eigenwilligkeit kommen kann und ist ein Plädoyer für das Individuum, den Aufstieg durch Bildung und lebenstüchtige Courage.

IM RAHMEN DES JUBILÄUMS wird außerdem Dank ehrenamtlichen Engagements ein Begleitprogramm stattfinden, das die verschiedenen FACETTEN VON SEUMES LEBEN zeigt: Von der Anbringung einer GEDENKTAFEL an Seumes Wohnhaus am Markt 6, finanziert von der Stadt Leipzig, über STADTFÜHRUNGEN zu sonstigen Wohnorten, von der LESUNG EINER ZEITGENÖSSISCHEN PREDIGT (Zollikofer, Evangelisch-reformierte Kirche) gleichsam in Seumes Ohr bis hin zu modernen INTERPRETATIONEN SEINER TEXTE in Wort und Ton, wird durch eine breite Streuung der Themen EIN MÖGLICHST GROSSES PUBLIKUM angesprochen. NEBEN DEM BEGLEITPROGRAMM wird Seumes Leben und Werk auch wissenschaftlich weiter aufgearbeitet.

Als eigener Zweig des Projektes wird in der Villa Tillmanns unter der Ägide der JOHANN-GOTTFRIED-SEUME GESELLSCHAFT E.V. und mit Unterstützung des Instituts für Germanistik der Universität Leipzig EIN SYMPOSIUM zum Thema Seume in Leipzig ausgerichtet, dem ein wissenschaftlicher Aufsatzband folgen wird.

DIE JUBILÄUMSVERANSTALTUNGEN werden in einem FESTAKT AM 3. JUNI 2010, 19.00 UHR, gipfeln, der mit weitreichender Unterstützung des Stadtgeschichtlichen Museums im FESTSAAL DES ALTEN RATHAUSES in Leipzig ausgerichtet wird. Begleitet von zeitgenössischer Musik, soll Johann Gottfried Seume in dieser Festveranstaltung auch öffentlich eine Ehrung zukommen. Im Rathaussaal können zugleich für wenige Tage prägnante Exponate zu sehen sein – als Verlockung auf etwas mehr Seume.

Die wissenschaftliche Leitung obliegt der JOHANN-GOTTFRIED-SEUME-GESELLSCHAFT ZU LEIPZIG E.V; unterstützt durch die kompetenten Mitarbeiter des Stadtgeschichtlichen Museums (kleine Ausstellung im Rathaussaal).

gez. Prof. Dr. Urs Meyer,
Vorsitzender der Johann-Gottfried-Seume-Gesellschaft zu Leipzig e.V.
www.seume-gesellschaft.de
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