Aufklärung und sinnliche Genüsse schließen sich nicht aus. Ausgerechnet Johann Gottfried Seume, der sich so gerne als Asket gab, liefert für diese These einen Beleg: „Meine Mahlzeit, Freund, war ganz vom Aetna, bis auf die Fische, welche aus der See und einem Flusse waren. Die Orangen, de Wein, die Kastanien, die Feigen und die Feigenschnepfen, alles vom Fuße und von der Seite des Berges. Ich bin Willens, ihn auf alle Weise zu genießen; deswegen bin ich hergekommen; und wohl nicht absichtlich, um das Unwesen der Regierung und der Möncherei zu sehen.“
Was Seume im „Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“ notierte, im fiktiven Brief aus dem sizilianischen Catania, haben sich ein Journalist und ein Unternehmer zu Herzen genommen. Sie sind durch Italien gereist – Seume im Kopf und Adressen von Olivenöl-Bauern im Notizbuch. Das Ergebnis ist am letzten Wochenende des Aprils 2009 zu sehen.
Kommerz und Kultur vertragen sich. Zumindest in dem niedersächsischen Dorf Wilstedt, nördlich von Bremen, unweit des Künstlerdorfes Worpswede. Dort steigen am Wochenende 25./26. April 2009 bereits die elften „Olivenölabholtage“: Volksfest, Marktplatz für Kunsthandwerker, Leckereien-Verkäufer, Kräuter-Gärtner und vor allem europäische Ölbauern. Bei ihnen kann man Olivenöl verkosten, kaufen und bestellen wie andernorts Wein.
In diesem Jahr ist Johann Gottfried Seume mit einem eigenen Stand dabei. Auf seinen Spuren ist Conrad Bölicke, Gründer von arteFakt, einer „Handelsagentur für Erzeuger-Verbraucher-Ideen“ zusammen mit dem Journalisten und Organisator von Studienreisen, Klaus Haase, durch Italien gereist - auf der Suche nach den besten Ölproduzenten. Ein Ergebnis ist einem Set vereinigt, dass neben Olivenöl auch eine Broschüre enthält – mit Reportagen über Oliven und ihre Produzenten und mit Beiträgen zu J. G. Seume.
Informationen:
www.artefakten.net