Das Seume-Jubiläum 2005 in Tartu (11. bis 13. Mai) ist vorüber. Die Ausstellung „Seumes Welt“ ist eröffnet worden, eine Tagung (Seume und Dorpat) ist gelaufen und eine „Zeitreise“ durch Tartu hat stattgefunden. Dem Ruf des Seume-Vereins „Arethusa“(Grimma) waren Fans aus Estland, Deutschland, Österreich und Italien gefolgt, um des politischen Dichters, Publizisten und Aufklärers Johann Gottfried Seume (1763-1810) zu gedenken. Viele waren sogar zuvor in Lettland gewesen. Dort, in Riga, hatte die „Seume-Gesellschaft zu Leipzig“ aus dem gleichen Anlass getagt: 200 Jahre zuvor war Seume durchs Baltikum gereist, hatte St. Petersburg und Moskau besucht und über Finnland, die Åland-Inseln, Schweden und Dänemark einen großen Teil der Ostsee umrundet.Ich stelle mir vor: Alle jene Damen und Herren sind wieder zu Hause, die sich zu Lande (per Auto oder Fahrrad), zu Wasser und per Flugzeug auf Seumes Spuren bewegt hatten. Sie ordnen jetzt vermutlich ihre Erinnerungsfotos, stellen Reiseführer ins Regal und suchen nach Zwischenlagern für Prospekte und andere Andenken, die früher oder später im Müll landen. Und sie ziehen ihre Bilanz.
Der Autor Dietmar Sievers war dabei und schreibt: „Mein kleiner Reisebericht steht jetzt auf
http://home.arcor.de/hans9/baltic.htm . Nachahmer erwünscht, es haben doch so viele Leute fotografiert und ein Seiteneditor ist auch nicht schwer zu bedienen...“.
Eine Bilanz für den Seume-Verein aus Grimma zogen die Vorsitzende Annett Höhne und Petra Lehmann, Schriftführerin und Organisatorin vor Ort:
TARTU-Die Stadt der guten Gedanken...war vom 11. bis 13. Mai der Treffpunkt von Seume-Freunden aus ganz Deutschland, Estland, Österreich und Italien. Aus Grimma waren nicht nur die "Arethusiasten" dabei, sondern z.B. auch Bettina Holfter vom Grimmaer Kulturamt und ihr Mann ließen sich dieses Ereignis nicht entgehen.
Das Jubiläum wurde im Deutschen Kulturinstitut (DKI) mit der Eröffnung der Ausstellung "Seumes Welt- Wege, Begegnungen grenzenlos" und über 60 Gästen eingeleitet. Die Exposition wanderte mit dem Wohnmobil nach Tartu (sie war bis zum Start der Radfahrer im Seume-Haus zu sehen) und wird nun wunderbar ergänzt aus den Beständen der Universitätsbibliothek Tartu. Die Seume-Freunde staunten über verschiedene Ausgaben des "Spaziergang nach Syrakus" ebenso wie z.B. über Originalzeichnungen des Seume-Freundes Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld.
Und: Rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung kamen auch die 5 Radwanderer nach ca. 2450 km in Tartu an - vollzählig, braungebrannt, etwas erkältet und glücklich. Unter ihnen der verschollen geglaubte Pedalritter Paolo Priester. Übrigens ist unser Vereinsmitglied Wolfgang Schütze auch noch den Rückweg über Finnland mit seinem Fahrrad angetreten.
Am nächsten Morgen erwarteten die Gäste der wissenschaftlichen Tagung zum 200. Jubiläum von "Mein Sommer 1805" neue Forschungsergebnisse über Seume, seine Reisen und seinen Freundeskreis, das studentische Leben in Dorpat/Tartu usw. Zahlreiche Literaturstudenten waren erschienen. Sie wurden nicht enttäuscht, es wurde spannend und es wurde heftig diskutiert. Der Bürgermeister der Stadt Tartu (ca. 100000 Einwohner), Georg Aher, eröffnete die Tagung, - von "Arethusa" sprach Dr. Jürgen Seifert aus Weimar die einleitenden Grußworte.
Zum Abschluss des Jubiläums gab es am Freitag, dem 13. Mai 2005, eine Zeitreise durch eine europäische Stadt - Ülle Kylv, eine sehr engagierte Stadtführerin führte 3 Stunden durch Tartu als Stadt der Hanse, des Klassizismus und der Aufklärung. Die Gäste erfuhren vieles über Vergangenheit, Lebensumstände heute und es gab einen Ausblick in die Zukunft. Während des Rundganges entdeckten wir eine Gedenktafel für Wilhelm Ostwald. Er wird in Tartu sehr verehrt und die Universität beteiligte sich an den weltweiten Protesten gegen die Schließung der Gedenkstätte in Großbothen.
Als wir zurückkamen, lasen wir in der Muldentaler Kreiszeitung, dass Hoffnung für eine Weiterführung des Landhauses "Energie" in Großbothen besteht.
Alle, die zum Seume-Jubiläum im Baltikum dabei waren, können sich nur dem Fazit von unserem Vereinsmitglied Dr. Biehusen anschließen: "Wo immer Seume gewesen, was immer er erlebt haben mag: Ich bin ihm dankbar, dass er mich auf eine wunderbare Reise gelockt hat."
Für alle, die nicht dabei sein konnten, liegt eine kleine Mappe mit historischen Ansichten und Seume-Zitaten aus der Reisebeschreibung "Mein Sommer 1805" im Seume-Haus (Grimma, Markt 11) bereit, die jeweils zu den Öffnungszeiten eingesehen werden kann.