Klinger trug mir wiederholt eine Professur in Dorpat an und rieth mir meine Mutter dahin mit zu nehmen. Aber ich halte es nicht mehr der Mühe werth eine neue Lebensweise anzufangen: zumahl da meine Mutter in ihren Jahren sich schwerlich entschließen würde, ihr Vaterland und ihre dortige Familie zu verlassen. (Seume Briefe, Frankfurt am Main 2002, S. 510 ff)
Das JubiläumIm Mai 2005 veranstalten der Internationale J. G. Seume-Verein „Arethusa“ e.V. (Grimma) zusammen mit dem Deutschen Kultur-Institut Tartu (DKI) ein Seume-Jubiläum in der estnischen Universitätsstadt Tartu. Der Anlaß: Vor 200 Jahren hatte der Dichter und Aufklärer Johann Gottfried Seume (1763-1810) offenbar die Chance, dort Professor zu werden.
Das Programm(Änderungen vorbehalten):
Mittwoch 11. Mai 2005 um 19:00 Uhr (DKI, Kastani 1): Eröffnung der Ausstellung „Seumes Welt“ – mit Original-Büchern aus den Sammlungen „Klinger“ und „Morgenstern“ der Universitäts-Bibliothek Tartu.
Donnerstag 12. Mai 2005 ab 10:00 Uhr (DKI, Kastani 1):: Jubiläumstagung „Seume und Dorpat“ mit dem Festvortrag von Prof. Dr. Jörg Drews (Uni Bielefeld): „Johann Gottfried Seume: Je fester das Charakterbild, desto größer unsere Zweifel“. Außerdem: Dr. Karl W. Biehusen (Vorwerk): „Seumes Sommer 1805“, Dr. Hain Tankler (Tartu/UB): „1805: Wendejahr für die Universität Dorpat“, Reet Bendler (Tartu/Uni): „Dorpat im 19. Jh.: Studentisches Leben“, Prof. Dr. H. Graubner (Göttingen/Tartu): "Merkel als Literaturkritiker im Banne Herders", Vakur Aabrams (Tartu/angefragt): „Seumes baltischer Freund Carl G. Grass “, Dr. Otto Werner Förster (Leipzig) „Seumestätten in Sachsen“.
Freitag 2005 ab 10:00 Uhr (Rathaus): Zeitreise durch eine europäische Stadt. Führungen durch Dorpat als Stadt der Hanse, des Klassizismus und der Aufklärung (u.a. mit Johanniskirche, Hauptgebäude der Universität, Universitätsmuseum, Sternwarte, altes Anatomikum). 16:00 Uhr: Abschluss im DKI
„Mein Sommer 1805“Seine letzte große Reise
(Klick zur Routenübersicht) hat Seume unter anderem nach Dorpat geführt. Mitte März des Jahres 1805 ist er in Leipzig zu dieser etwa 6.000 km langen aufgebrochen, über Warschau, Riga, Dorptat, Reval und St. Petersburg nach Moskau gereist, von dort wieder über St. Petersburg nach Finnland, über die Åland-Inseln nach Schweden, durch Schweden nach Kopenhagen, von dort per Schiff nach Kiel. Nach knapp sieben Monaten war er am 1. Oktober 1805 wieder zu Hause in Leipzig. Ein Jahr später erschien sein Bericht „Mein Sommer 1805“.
ReisetippsEinen nützlichen, deutschsprachigen Internet-Zugang bietet die Baltikum Tourismus Zentrale (die Fremdenverkehrszentrale für Estland – Lettland –Litauen): Unter
http://www.baltikuminfo.de/ sind direkt oder indirekt (per Link) alle Informationen zu finden, die man als Reisender ins Baltikum braucht. Dazu gehören die Fahrpläne für den Fähr- und Flugverkehr von und nach Deutschland.
Für Bus- und Autofahrer liegt Tartu ca. 246 km von der lettischen Hauptstadt Riga und ca. 186 km von der estnischen Hauptstadt Tallinn entfernt im Süden von Estland, unweit des Peipus-Sees. Es ist mit beiden Städten per Buslinien verbunden.
Flugverbindungen mit Tallinn bestehen von und nach Berlin, Frankfurt, Hamburg und München.
Flugverbindungen mit Riga bestehen von und nach Berlin, Hamburg, Hannover, Frankfurt, Hahn (Hunsrück), Köln, Düsseldorf, Stuttgart und München.
Fährverbindungen bestehen zwischen Riga und Lübeck sowie Tallinn und Rostock.
Die Anreise mit dem eigenen Auto gilt als problemlos, wenn man im Bereich der EU bleibt: Für Weissrussland und das russische Gebiet Königsberg sind Visa nötig. Treibstoff ist im Baltikum billig, über die Zahl der Tankstellen gibt es unterschiedliche Angaben. Routenpläne und sonstige Hinweise bietet u.a. der ADAC:
http://www.adac.de. Estland bietet Autofahrern ein gut ausgebautes Netz von Fernstraßen, die zumeist den deutschen Bundesstraßen ähneln. Abseits dieser Straßen kann man auf Schotterpisten stoßen.
Für Tartu empfehlen sich Seiten der dortigen Tourismus Zentrale: Unter
http://turism.tartumaa.ee/ finden sich beispielsweise alle Adressen für Unterkünfte. Für Mitglieder des Seume-Vereins „Arethusa“ lohnt sich eine Anfrage bei k.w.biehusen@seume.de .
EstlandDie Republik Estland ist Mitglieder der Europäischen Union, besteht in ihrer aktuellen Form seit 1991, ist mit 45.227 km2 etwas größer als die Niederlande und wird von knapp 1,5 Millionen Menschen bewohnt (Niederlande: gut 15 Millionen). 64 Prozent von ihnen sind Esten. Russen bilden die größte Minderheit im Lande. Die Landessprache ist Estnisch, die zur finnisch-ugrischen Sprachgruppe gehört. Die Landeswährung ist die estnische „Kroon“ (1,- Euro sind etwa 15,6 EEK). Das Land bietet sehr viele touristische, aber kaum topologische Höhepunkte: Weite Wiesen und Wälder, traumhafte Küsten-Zonen (an der Ostsee und am Peipus-See), Herrenhäuser und viele Orte sind sehenswert.
TallinnDie Hauptstadt ist Tallinn (Reval) am finnischen Meerbusen. Sie ist mit 420.000 Einwohner die größte Stadt des Estlands – und in ihrem historischen Kern ein Touristen-Magnet erster Güte. Die UNESCO hat die mittelalterliche Altstadt zum Kulturerbe der Menschheit erklärt.
TartuTartu (Dorpat), im Süden des Landes am Fluss Emajögi (Embach) gelegen, ist mit 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Estlands. Für Touristen von besonderem Interesse sind die hervorragend erhaltenen Teile der Altstadt beim Rathausmarkt (Raekoja plats) mit ihren meist klassizistischen Bauten aus dem 19. Jh. (z.B.: das Rathaus und etliche Universitätsgebäude), das Villen-Viertel Vaksali mit seiner Jungendstil-Bebauung (mit vielen skandinavisch wirkenden Holzhäusern) und zwischen diesen Vierteln der ausgedehnte, parkähnlich gestaltete Domberg (Toomemägi) mit der Domruine.
(Stadtplan Tartu, Ausschnitt) Tartu ist seit dem Jahr 1030 (erste Erwähnung) als Handelsstadt an einer bedeutenden Fernstraße groß - und als „Embach-Athen“ berühmt geworden: 1632 wurde die „Academia Dorpatensis“ gegründet. Tartu war im Mittelalter eine deutsch geprägte Hansestadt (Gastgeberin des Hansetages 2005), aber aus jener Zeit ist nach zahllosen Bränden und Kriegen fast nur die Johanniskirche (Jaani Kirik, 14. Jh.) im Stil der Backstein-Gotik übrig geblieben. (Balten-)Deutsche spielten in der Geschichte der Stadt (und Estlands) noch während der ersten Republik (1918 - 1940) eine bedeutende Rolle – bis sie Hitler 1939 „Heim ins Reich“ beorderte. Während der Sowjetzeit war der Besuch Tartus fast unmöglich: Die „geschlossene Stadt“ war Standort eines geheimen Militär-Flughafens.
Tartu ist heute Sitz des Bildungsministeriums und gilt wieder als Kulturhauptstadt des Landes: 22 Museen (darunter das Nationalmuseum), 12 Hochschulen (22.000 Studierende), vier Theater und eine ganze Reihe wissenschaftlicher und kultureller Einrichtungen, Stiftungen und Vereine von nationaler und internationaler Bedeutung sprechen für sich. Nicht zufällig fallen eine große Zahl von Cafés, Restaurants und Bistros sowie die Farben tragenden Studentinnen und Studenten auf – und jede Menge Denkmäler bedeutender Dichter und Wissenschaftler (kaum Frauen). Dass sie oft deutsche Namen tragen, täuscht gelegentlich: Der Karriere wegen sahen sich viele Esten zur Namensänderung gezwungen.